25. Februar 2026 | Aktuelles | Allgemein | Pressebeiträge | STAFF*Lausitz

Gemeinsam die Fachkräftesicherung der Lausitz gestalten

Ein Gespräch mit Sarah Kelschebach Netzwerkerin und
Projektmitarbeiterin, Jens Gerlinghoff Geschäftsführer und Projektmanager und Jens Steinhorst stellv. Geschäftsführung und
Projektmitarbeiter beim Fachkräftenetzwerks Oberlausitz

Seit Beginn des Projekts STAFF*Lausitz begleiten uns engagierte Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Netzwerken. Sie bringen Erfahrungen aus der Praxis ein, geben Impulse und helfen uns, Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Drei von ihnen sind Mitglieder des Fachkräftenetzwerks Oberlausitz (FNO): Sarah Kelschebach, Jens Gerlinghoff und Jens Steinhorst. Im Gespräch wird schnell deutlich, wie eng ihre Arbeit mit den zentralen Herausforderungen der Region verbunden ist und wie wichtig Kooperation über Ländergrenzen hinweg bleibt. 

Drei Perspektiven, ein gemeinsames Ziel 

Die Arbeit des FNO lebt vom Austausch. Genau an dieser Schnittstelle ist Sarah Kelschebach tätig. Sie versteht sich als Brückenbauerin zwischen Wissenschaft und Wirtschaft: 
„Ich bin mit dem Ziel unterwegs, beide Seiten stärker miteinander ins Gespräch zu bringen“, erklärt sie. Veranstaltungen, Vernetzungsformate und das Thema Lernkultur in Unternehmen bilden dabei den Schwerpunkt ihrer Arbeit. 

Geschäftsführer Jens Gerlinghoff beschreibt das Selbstverständnis des Netzwerks ganz pragmatisch: 
„Seit 2007 beschäftigen wir uns damit, was Unternehmen in der Region brauchen. Wir wollen Projektideen gemeinsam mit ihnen entwickeln und dafür sorgen, dass gute Ansätze verstetigt werden.“ Für ihn steht immer der konkrete Nutzen im Vordergrund. „Unser Antrieb ist, dass hier in der Region Leben herrscht und Unternehmen voneinander profitieren.“ Projekte seien dann erfolgreich, wenn sie nicht abstrakt bleiben, sondern Unternehmen wirklich weiterhelfen. 

Auch Jens Steinhorst ist tief in der praktischen Personal- und Organisationsentwicklung verwurzelt. Als Projektmanager und Coach begleitet er Unternehmen bei Themen wie Führungskräfteentwicklung, Leitbildarbeit oder Kommunikation. Besonders bekannt ist der von ihm organisierte Lean-Stammtisch Oberlausitz. Ein Format, welches den Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmen ganz konkret macht: 
„Wir gehen zweimal im Jahr in ein Unternehmen, analysieren gemeinsam Prozesse und entwickeln konkrete Handlungsempfehlungen. Und ganz nebenbei vernetzen sich die Unternehmen, das wirkt nachhaltig.“ 

Fachkräftesicherung: Zwischen Aufbruch und Engpässen 

Der Strukturwandel bringt Bewegung in die Lausitz. Neue Unternehmen siedeln sich an, bestehende wachsen. Gleichzeitig ist der Fachkräftemangel deutlich spürbar. Für Jens Steinhorst ist das die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre: 
„Wir haben trotz Strukturwandel einen Zuwachs an Unternehmen. Neue Arbeitsplätze entstehen, es fehlt aber an qualifizierten Menschen, um sie zu besetzen.“ 

Hinzu kommen praktische Hürden. Der öffentliche Nahverkehr sei vielerorts unzureichend ausgebaut, bezahlbarer Wohnraum knapp. „Ohne Auto sind viele Orte kaum erreichbar. Und auch Wohnungen sind im ländlichen Raum Mangelware.“ Eine weitere wichtige Perspektive bringt Sarah Kelschebach ein: die der jungen Generation. Sie selbst ist zum Studium in die Region gekommen und bewusst geblieben. Aus Gesprächen mit Gleichaltrigen weiß sie jedoch: 
„Viele junge Menschen würden gern hierbleiben. Es fehlen aber oft attraktive Einstiegsmöglichkeiten nach dem Studium.“ 

Mehr Offenheit für Berufsanfängerinnen und -anfänger, Traineeprogramme und gezielte Einstiegsangebote könnten hier viel bewirken. Unternehmen müssten mutiger werden, Potenziale zu sehen, statt nur Berufserfahrung einzufordern. 

Gleichstellung und moderne Arbeitskultur – ein Prozess mit Geduld 

Themen wie Gleichstellung, Diversität und faire Arbeitsbedingungen spielen im Projekt STAFF*Lausitz eine zentrale Rolle. In den Unternehmen sind sie jedoch noch nicht überall fest verankert. Für Jens Gerlinghoff ist klar: Ein Umdenken findet statt, aber eben langsam. 
„Die Unternehmen wissen, dass sie sich verändern müssen, um attraktiv zu bleiben. Aber oft fehlt das Wissen, wie sie es konkret angehen sollen.“ 

Neue Arbeitsmodelle oder flexible Strukturen würden teilweise als ungerecht gegenüber langjährigen Mitarbeitenden empfunden. „Da braucht es Zeit und vor allem gute Führung.“ Letztlich gehe es um Unternehmenskultur: „Wenn diese Themen nicht aktiv bearbeitet werden, bleibt Gleichstellung ein Randthema.“ 

Der Expertenbeirat als Lernraum 

Die Mitarbeit im STAFF*Lausitz -Expertenbeirat wird von allen dreien als großer Gewinn erlebt. Für Sarah Kelschebach war es besonders wichtig, eine junge Perspektive einzubringen: 
„Mir war wichtig, dass nicht nur über junge Menschen gesprochen wird, sondern mit ihnen. Genau dafür ist der Beirat ein gutes Format.“ 

Auch Jens Steinhorst schätzt den offenen Austausch sehr. Seit Jahren arbeitet das FNO eng mit Wertewandel e.V. zusammen: 
„Im Beirat lernen wir, wie ihr an Themen herangeht, und können vieles für unsere eigene Arbeit mitnehmen.“ Besonders positiv erlebt er die Zusammenarbeit auf Brandenburger Seite: „Bei euch sitzen Leute am Tisch, die wirklich etwas bewegen wollen. Das ist zielorientiert, nah an den Unternehmen und vor allem sehr kooperativ.“ 

Voneinander lernen, auch über Projektgrenzen hinaus 

Die Impulse aus STAFF*Lausitz wirken weit über einzelne Veranstaltungen hinaus. Der regelmäßige Austausch darüber, wie Unternehmen Mitarbeitende mitnehmen und Veränderungsprozesse gestalten können, sei immer wieder inspirierend, betont Jens Steinhorst. 

Auch Sarah Kelschebach erlebt den Mehrwert vor allem in der Vernetzung: 
„Man merkt schnell, dass es viele thematische Überschneidungen gibt, und daraus entstehen neue Kontakte und Kooperationen.“ Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Praxisbeispiel aus dem Projekt: das Experiment eines Architekturbüros mit der 4-Tage-Woche. „Solche Beispiele geben echte Impulse. Sie zeigen, was funktionieren kann und wo individuelle Lösungen gefragt sind.“ 

Blick nach vorn: Zusammenarbeit ohne Grenzen 

Für die Zukunft verbindet alle drei ein klarer Wunsch: mehr länderübergreifende Kooperation zwischen Brandenburg und Sachsen. „Wir liegen in einer Grenzregion. Eigentlich müssten wir viel mehr gemeinsam denken und handeln“, sagt Jens Steinhorst. Im Alltag geschehe das zwar bereits, „aber es könnte noch sichtbarer und strukturierter werden.“ Auch Jens Gerlinghoff sieht hier großes Potenzial: 
„Formate wie unsere Lean-Stammtische funktionieren hervorragend. So etwas könnte man auch gemeinsam mit anderen Themen weiterentwickeln.“ 

Was Unternehmen jetzt brauchen 

Am Ende sind sich alle einig: Fachkräftesicherung gelingt nur, wenn Unternehmen bereit sind, sich weiterzuentwickeln. Für Jens Gerlinghoff steht dabei die Lernbereitschaft im Mittelpunkt: 
„Unternehmen müssen lernen, Wissen von außen aufzunehmen und Menschen im Wandel mitzunehmen. Hilfe zur Selbsthilfe ist entscheidend.“ 

Jens Steinhorst bringt seine Erfahrung in einem einfachen, aber kraftvollen Satz auf den Punkt: 
„Kümmert euch zuerst um die Menschen, dann um die Dinge.“ 

Und Sarah Kelschebach ergänzt einen wichtigen Gedanken: 
„Unternehmen sollten sich noch stärker miteinander austauschen. Praxisberichte wirken oft motivierender als jeder wissenschaftliche Input.“ 

Gemeinsam weiterdenken 

Das Gespräch macht deutlich: Fachkräftesicherung ist kein Einzelkampf. Sie lebt von Offenheit, Vernetzung und dem Mut, neue Wege auszuprobieren. 

Wir danken Sarah Kelschebach, Jens Gerlinghoff und Jens Steinhorst herzlich für ihre Zeit, ihre Expertise und die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Mit Partnerinnen und Partnern wie ihnen wird die Transformation in der Lausitz zur echten Zukunftschance. 


Über das Projekt STAFF*Lausitz  
STAFF*Lausitz Steigerung der Arbeitgeberattraktivität – Gleichstellung als ein Erfolgsfaktor der Unternehmensstrategie zeigt: Gleichstellung ist kein Nice-to-Have, sondern ein echter Erfolgsfaktor für die Unternehmensstrategie. In Zeiten von Strukturwandel, Fachkräftemangel und Digitalisierung unterstützt das Projekt kleine und mittlere Unternehmen in der Lausitz dabei, ihre Personal- und Organisationsentwicklung diskriminierungsarm, zukunftsorientiert und gleichstellungsbewusst zu gestalten. Im Zentrum stehen Inhouse-Schulungen, Weiterbildungen, Netzwerke und individuelle Begleitung mit bspw. dem Ziel, Frauen zu fördern und Unternehmenskulturen zu schaffen, die für alle Lebensmodelle und Mitarbeitenden attraktiv sind. Des Weiteren werden Themen aus den Bereichen Future Skills, New Work und Digitale Kompetenzen behandelt.

Geht es weiter? Ja! Unser Nachfolgeprojekt BOOST(H)ER baut auf den Erfahrungen von STAFF*Lausitz auf und setzt neue Impulse. So setzt sich der Verein Wertewandel weiter für mehr Gleichstellung, starke Teams und mehr Arbeitgeberattraktivität ein.

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