19. Januar 2026 | Aktuelles | Allgemein | Pressebeiträge | STAFF*Lausitz
„Wir wollen den Kundinnen und Kunden die Wahl lassen.“
Ein Gespräch mit Melanie Naumann, CFO bei Little John Bikes und mit Nathalie Mainka, Teamleiterin HR.
Die Fahrradbranche ist traditionell männlich geprägt. Schon der erste Schritt in eine Filiale bestätigt diese Aussage. Auch bei Little John Bikes zeigte ein genauer Blick auf die Zahlen dieses Bild: Während der Frauenanteil in der Zentrale bei fast 50 Prozent liegt, sind Frauen in den Filialteams deutlich unterrepräsentiert. Little John Bikes möchte das ändern und wird dabei vom Projekt STAFF*Lausitz unterstützt.
Analyse und Zielsetzung
„Wir haben uns die Kennzahlen ganz bewusst angeschaut“, erklärt Melanie Naumann, CFO bei Little John Bikes und verantwortlich für Finanzen, Personal und IT. „Und dann auch differenziert: Wie viele Frauen arbeiten insgesamt bei uns? Wie viele in der Zentrale? Und wie sieht es in den Filialen aus?“
Aus dieser Analyse entwickelte sich ein klares Ziel: mindestens eine Frau pro Filiale. Nicht als symbolische Quote, sondern als strategischer Ansatz. „Es geht überhaupt nicht darum zu sagen, Männer machen keinen guten Job“, betont Melanie Naumann. „Sondern darum, gemischte Teams zu stärken und die Vorteile, die daraus entstehen, zu nutzen.“
Frühes Engagement für Frauen in der Branche
Little John Bikes engagiert sich bereits seit mehreren Jahren aktiv dafür, mehr Frauen für die Fahrradbranche zu begeistern. Unter anderem über den jährlichen Girls’ Day. Nathalie Mainka, Teamleiterin HR, beschreibt die Wirkung so: „Wenn wir den Mädchen zeigen, wie cool es eigentlich ist, im Fahrradbereich oder im Handwerk zu arbeiten, bekommen wir danach viele positive Rückmeldungen.“
Der Wunsch nach Vernetzung
Gleichzeitig wuchs der Wunsch, die Frauen, die bereits im Unternehmen tätig sind, stärker zu vernetzen. „Wir wollten intern einen Raum schaffen, in dem sich Frauen austauschen und unterstützen können, gerade auch über Filialgrenzen hinweg“, so Nathalie Mainka.
Unterstützung durch das Projekt STAFF*Lausitz
Im Rahmen des Projekts STAFF*Lausitz wurde aus dieser Idee ein konkretes Vorhaben. Die externe Begleitung half dabei, Struktur in den Prozess zu bringen. „Ohne das Projekt wäre der Gedanke vermutlich noch gar nicht so tief gewesen“, sagt Melanie Naumann offen. „Vor allem die Struktur, also sich wirklich hinzusetzen und zu klären: Wo kommen wir her? Wo wollen wir hin? Das hätte sich sonst wahrscheinlich ewig gezogen.“ Der Startschuss fiel mit einem Kick-off-Workshop im November 2024. Neun Frauen aus Filialen und Zentrale, viele davon mit Führungsverantwortung, kamen in einer Dresdner Filiale zusammen. Der Fokus lag bewusst auf persönlichem Kennenlernen und Austausch.
„Uns war ein guter Mix extrem wichtig“, erklärt Melanie Naumann. „Es hätte überhaupt nichts gebracht, nur Frauen aus der Zentrale einzuladen.“ Ergänzt wurde der Workshop durch gemeinsame Aktivitäten. Unter anderem eine Fahrradtour in der Mittagspause, um Begegnung auf Augenhöhe zu ermöglichen.
Skepsis und Perspektivwechsel
Die ersten Reaktionen waren teilweise von Skepsis geprägt. „Gerade einige Frauen aus den Filialen haben sich gefragt: Warum braucht es überhaupt ein Frauennetzwerk? Ich arbeite doch gut mit Männern zusammen“, berichtet Nathalie Mainka. Im Laufe des Tages verschob sich diese Perspektive. „Es wurde klar, dass es nicht um Abgrenzung geht, sondern um Unterstützung. Auch für Frauen, die sich vielleicht nicht trauen, bestimmte Themen vor Ort anzusprechen.“
Ein zentraler Gedanke war dabei die Vorbildwirkung. Melanie Naumann bringt es so auf den Punkt: „In manchen Filialen läuft es sehr gut, weil dort gemischte Teams arbeiten. Aber etwa die Hälfte unserer Filialen hatte lange keine Frau im Team. Uns geht es darum, diese guten Beispiele sichtbar zu machen und weiterzutragen.“
Mehrwert für Teams und Kundschaft
Auch der Blick auf die Kundschaft spielte eine wichtige Rolle. „Fünfzig Prozent aller Kunden und Kundinnen sind nicht männlich. Diverse Teams und insbesondere Frauen im Fahrradfachhandel bringen unterschiedliche Perspektiven. Damit werden Teams besser. Kommunikationsstile und Beratungsschwerpunkte heterogen, wodurch sich manche Käufer und Käuferinnen besser verstanden, sicherer beraten und insgesamt wohler fühlen“, sagt Melanie Naumann. „Gerade im direkten Kundenkontakt in den Filialen führt das zu höherer Beratungsqualität, größerem Vertrauen und messbar stärkeren Kauf- und Bindungsentscheidungen. Klar können Männer Frauen beraten, aber wir wollen den Kundinnen und Kunden die Wahl lassen.“

Verstetigung des Netzwerks
Nach dem erfolgreichen Kick-off folgten weitere Netzwerktreffen, inzwischen digital. „Wir treffen uns quartalsweise für etwa eine Stunde“, erläutert Nathalie Mainka. „Es gibt immer ein Thema, zum Beispiel die Filiale aus weiblicher Mitarbeitersicht oder aus Kundinnensicht. Das ist für uns als Unternehmen ein echter Mehrwert.“
Mit rund zehn bis zwölf Teilnehmerinnen hat sich eine gute Größe etabliert. „Alle, die teilnehmen, sind wirklich engagiert“, ergänzt Melanie Naumann. „Das ist kein Pflichttermin, sondern ein Austausch, der Spaß macht.“
Zwischenstand und Ausblick
Aktuell verfügen rund 55 Prozent der Filialen über mindestens eine Frau im Team. Ein wichtiger Meilenstein, aber noch nicht das Ende des Weges. „So ein Netzwerk wird nicht von heute auf morgen Teil der Unternehmenskultur“, sagt Nathalie Mainka. „Aber indem wir es immer wieder sichtbar machen, kann es wachsen – auch für neue Mitarbeiterinnen.“
Anderen Unternehmen, die ein ähnliches Netzwerk aufbauen möchten, raten beide zu externer Unterstützung. „Nicht einfach selbst losgehen“, empfiehlt Nathalie Mainka. Melanie Naumann ergänzt: „Man spart unglaublich viel Zeit, wenn man mit jemandem spricht, der das schon gemacht hat. Und man klärt viel schneller, warum man so ein Netzwerk überhaupt braucht.“
Der Blick nach vorn ist klar: Little John Bikes will den Frauenanteil in den Filialen weiter erhöhen und insbesondere junge Frauen für das Handwerk und die Fahrradbranche begeistern. „Es gibt sogar schon Filialen mit zwei Frauen“, sagt Melanie Naumann. „Das ist dann fast schon Übererfüllung. Aber genau in diese Richtung wollen wir weitergehen.“
Recruiting-Hinweis
Little John Bikes sucht Auszubildende ab 2026, im Einzelhandel sowie als Zweiradmechatroniker*innen, ausdrücklich auch Frauen.
Weitere Informationen unter: karriere.littlejohnbikes.de/
Über das Projekt STAFF*Lausitz
STAFF*Lausitz Steigerung der Arbeitgeberattraktivität – Gleichstellung als ein Erfolgsfaktor der Unternehmensstrategie zeigt: Gleichstellung ist kein Nice-to-Have, sondern ein echter Erfolgsfaktor für die Unternehmensstrategie. In Zeiten von Strukturwandel, Fachkräftemangel und Digitalisierung unterstützt das Projekt kleine und mittlere Unternehmen in der Lausitz dabei, ihre Personal- und Organisationsentwicklung diskriminierungsarm, zukunftsorientiert und gleichstellungsbewusst zu gestalten. Im Zentrum stehen Inhouse-Schulungen, Weiterbildungen, Netzwerke und individuelle Begleitung mit bspw. dem Ziel, Frauen zu fördern und Unternehmenskulturen zu schaffen, die für alle Lebensmodelle und Mitarbeitenden attraktiv sind. Des Weiteren werden Themen aus den Bereichen Future Skills, New Work und Digitale Kompetenzen behandelt.
Geht es weiter? Ja! Unser Nachfolgeprojekt BOOST(H)ER baut auf den Erfahrungen von STAFF*Lausitz auf und setzt neue Impulse. So setzt sich der Verein Wertewandel weiter für mehr Gleichstellung, starke Teams und mehr Arbeitgeberattraktivität ein.
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